Als Kinder haben wir mal eine Mutprobe gemacht: Wir haben gewettet, wer von uns sich traut, Vogelfutter zu essen! Mein Vater hatte nämlich im Winter stets große Vorräte an Vogelfutter in der Garage gelagert: Da lag dann normales Vogelfutter, dass man im Garten auf den Boden streuen konnte, aber auch Meisenringe und Knödel. Die Mutprobe bestand darin, ein Stück aus einem Maisenknödel herauszubeißen und zu essen. Leider kann ich mich nicht mehr an die Belohnung für den Sieger erinnern, doch keine aus unserer Clique traute sich, das Vogelfutter zu essen. Die meisten rochen nur daran, verzogen das Gesicht zu einer ekelverzerrten Grimasse und reichten den Knödel dann an den nächsten weiter, woraufhin wieder das selbe Schauspiel in dessen Gesicht abzulesen war. Ich dagegen fand den Geruch von Vogelfutter eigentlich immer schon ganz angenehm und hatte außerdem in einem Sachbuch über Vögel gelesen, dass Vogelfutter für den Menschen nicht schädlich ist. Denn schließlich erhält Vogelfutter ja lauter Gesunde Bestandteile. Natürlich sollte sich ein Mensch nicht aussschließlich von Vogelfutter ernähren, doch wenn man mal probieren möchte, was die kleinen Tierchen so den ganzen Tag fressen, dann kann man das ruhig mal probieren, ohne sich Sorgen um seine Gesundheit machen zu müssen. Ich war also der einzige in unserer Runde, der sich traute, Vogelfutter zu essen.